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Fachbeitrag Soft Skills Neue Arbeitswelten
15.11.2010 07:59

Schlagworte des Beitrags

Selbstorganisation    Team   

Was ist eigentlich ein Team?

Was ist eigentlich ein Team, was sind die Unterschiede zu einer Gruppe oder einer Organisation?

Diese Fragen lassen sich gut klären, wenn vor allem die verschiedenen Gruppengrößen und die Besonderheiten der Kopplung der Gruppenmitglieder unterscheiden werden:

1. Zweierbeziehungen

2. Gruppen

3. Teams als spezielle Art von Gruppe

4. Familien

5. Organisationen

Gruppe vs. Team

Ganz allgemein folge ich einer systemischen Definition, wonach Gruppen soziale Systeme sind, die durch Kommunikation von Akteuren entstehen. Ein charakteristisches Merkmal von Gruppen ist, dass ihre Mitglieder alltäglich und ohne sich dafür verabreden zu müssen, die Möglichkeit zur Kommunikation von Angesicht zu Angesicht

haben.

In Teams wird, ähnlich wie in Familien, vorwiegend personenbezogen kommuniziert. Die Teammitglieder verbindet eine gemeinsame Geschichte, in deren Verlauf sich persönliche und emotionale Beziehungen entwickelt haben, die nicht alleine durch formalisierte Rollenbeziehungen bestimmt sind.

Wenn Menschen, die sich nicht kennen, sich zufällig zu einer Gruppe zusammenfinden, bspw. in der Warteschlange beim Bäcker oder als Reisende in einem Zugabteil, dann haben sie keine gemeinsame Geschichte und keine emotionale Beziehung. Das kann sich ändern, wenn beispielsweise ein gemeinsames Erlebnis (eine technische Störung, ein Streit zwischen Reisenden o.Ä.) die Kommunikation verändert und die Menschen sich über ein gemeinsames Ziel (Lösung oder Umgang mit dem Problem) verbinden.

Teams sind Gruppen, aber Gruppen nur bedingt Teams. Sofern man Teams und Gruppen unterscheiden möchte, so sind es die persönlichen und emotionalen Beziehungen der Mitglieder, die im Team stark und in der Gruppe wenig oder gar nicht ausgeprägt sind sowie die größere Heterogenität von Teams.

Die Menschen in einer Gruppe, bspw. die Reisenden im Abteil, sind zunächst eine homogene Gruppe: es sind alles Reisende. Die Menschen sind eigentlich zwar sehr unterschiedlich – aber solange diese Besonderheiten nicht in die Kommunikation einfließen, hat dies keine Relevanz für das soziale System.

„Die Ungleichheit der Beteiligten, sei es in ihrer sachlichen oder emotionalen Kompetenz, ist eine der Voraussetzungen für das Funktionieren von Teams.“ (Fritz Simon) Wenn alle Menschen das Gleiche können und tun, braucht man kein Team. Da könnte es jeder der Beteiligten im Prinzip auch alleine machen. Wo es nur um die quantitative Vermehrung derselben Funktionen geht, braucht man kein Team.

In Teams sind die Akteure loser gekoppelt als in Familien, d.h. Teammitglieder sind zwar unterschiedlich, aber prinzipiell austauschbar, Familienmitglieder hingegen nicht. Manche Teammitglieder sind besser austauschbar als andere, einige sind ggf. sogar identitätsstiftend für das Team. Deswegen ist bei einem Austausch eines Teammitgliedes das Team hinterher oft ein anderes als vorher, da sich die persönliche und emotionale Beziehungsstruktur und ggf. Identifikationspunkte geändert haben. In der Gruppe hingegen sind die Mitglieder nochmals loser gekoppelt als in Teams, d.h. ihr Austausch verändert die Gruppe wenig.

Teams sind soziale Systeme, die ein hohes Maß an Selbstorganisation aufweisen und in denen sich die Entwicklung informeller Regeln nicht vermeiden läßt.

Teams wird von Außen meistens eine kollektive Identität zugeschrieben („ihr“) und ebenso erlebt ein Team auch intern eine Identität („wir“). Jedes Teammitglied hat Mitverantwortung und Einfluss auf das gemeinsame Außenbild. Ein einzelnes Teammitglied kann nach Außen hin das gemeinsame Ansehen beschädigen, weswegen intern typischerweise ein hohes Maß an sozialer Kontrolle und Abhängigkeit existiert.

Eine formelle Gleichheit der Teammitglieder (als kuschelige und sozialromantische Gleichheitsidee) ist wegen der notwendigen Ungleichheit in Teams ein vorprogrammierter Weg in Konflikte und zum Scheitern, aber darauf gehe ich in einen späteren Blogbeitrag nochmal näher ein. Egalitäre Ideen und symmetrische Beziehungen funktionieren für Zweierbeziehungen, aber kaum für Mehrpersonenbeziehungen.

Familie

Eine Familie hat eine größere Flexibilität der Interaktionsmuster, ihre Aktionen sind nur lose gekoppelt. Wenn die Mutter krank ist, pflegt das Kind temporär die Mutter, obwohl diese Aufgaben (Aktionen) sonst eher umgekehrt verteilt sind. Gruppen (und noch viel mehr Unternehmen bzw. Organisationen) haben starrere Interaktionsmuster und fester gekoppelte Aktionen (Hierarchien, Geschäftsprozesse).

Organisation

Als Organisationen bezeichnen wir große Gruppen. Organisationen sind wie Gruppen soziale Systeme die durch Kommunikation entstehen und am Leben gehalten werden, aber diese Kommunikation ist nicht auf den direkten Kontakt von Angesicht zu Angesicht angewiesen.

Eine Gruppe ist dadurch gekennzeichnet, dass in ihr jedes Mitglied mit jedem anderen unmittelbar (sofort) und direkt kommunizieren kann. Da die Zahl der möglichen Zweierbeziehungen exponentiell mit der Gruppengröße steigt, ist oft ab 8 Personen, spätestens aber ab 12 Personen eine Größe erreicht, die diese Kommunikationsmöglichkeit unwahrscheinlich macht.

Für größere „Gruppen“ bedarf es anderer Kommunikationsformen (Medien und Strukturen). Organisationen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie entsprechende Kommunikationsformen ausgebildet haben. Unternehmen sind Organisationen.