Aktivität
Projektmanagement
| A-194 Systemidee und Zielsetzung entwickeln
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Formuliere mit etwa 5 - 20 Sätzen schriftlich die Systemidee.
Aktivität muss durchgeführt werden in Vorbereitungsphase (Iterative Aktivität)
Die Entwicklung eines Systems beginnt damit, dass die grundsätzliche Zielsetzung und Systemidee gefunden werden muss. Was soll mit dem zu entwickelnden System erreicht werden? Gewöhnlich beginnt alles mit vagen Ideen und Visionen, Absichtsbekundungen und naiven Wünschen.
- Entwickle die Systemidee zusammen mit Auftraggeber, Produktempfänger, Benutzer und Entwickler unter aktiver Klärung von Interessenskonflikten und Widersprüchen.
- Formuliere die Systemidee kurz und knapp, aber unbedingt schriftlich mit etwa 5 - 20 Sätzen. Berücksichtige die wichtigsten Eigenschaften, Leistungsmerkmale, Rahmenbedingungen, Voraussetzungen und expliziten Leistungsausschlüsse.
- Sorge dafür, dass Auftraggeber, Produktempfänger, Benutzer und Entwickler die Systemidee kennen und vorbehaltlos unterstützen.
Entwickle die Systemidee. Formulieren Sie die Systemidee schriftlich auf etwa einer halben Seite. Mit dem Vorgang des Aufschreibens setzt dann bereits der Zielfindungs- und Konkretisierungsprozess ein.
Wenn Auftraggeber, Produktempfänger und Entwickler keine explizite und einheitliche Idee haben, was das zukünftige System leisten soll, sind Komplikationen oder gar Misserfolg des Projektes vorprogrammiert. Eine einheitliche, schriftlich fixierte Vision ist wichtig, damit alle Beteiligten am gleichen Strang ziehen. Bei der Zielformulierung werden oftmals Interessenkonflikte und Widersprüche deutlich, die gewöhnlich geklärt werden sollten, bevor mit der Entwicklung begonnen wird.
Formuliere die Systemidee schriftlich.
Die Systemidee muss nicht sehr ausführlich sein, wenige, aber aussagekräftige Sätze reichen aus. Als Metapher können Sie sich hier an der Systembeschreibung eines gewöhnlichen Produktkartons orientieren. Wenn Sie eine Software kaufen, ist sie oftmals in einem großen Karton verpackt, in dem außer Luft und einer CD meistens nicht viel drin ist. Auf der Außenseite des Produktkartons finden Sie jedoch gewöhnlich zwei wichtige Informationen:
- Systemvoraussetzungen: Welche Hard- und Software muss bereits vorhanden sein, damit die neue Software einwandfrei funktioniert (Betriebssystem, Speicherkapazität etc.)?
- Wichtige Features und Eigenschaften: Was leistet die Software für den Benutzer?
Erstellen Sie für Ihr Projekt auch einen Produktkarton! Damit wird für alle Beteiligten plastisch sichtbar, was Sie mit Ihrem Projekt schaffen wollen. Folgende Informationen benötigen Sie für Ihren Produktkarton:
- Name: Wie heißt Ihr Produkt?
- Feature-Liste: die 5 - 15 wichtigsten Eigenschaften und Leistungsmerkmale Ihres Produktes
- Voraussetzungen, welcher Art auch immer: Hardware, Softwarearchitektur, Systemumgebung/Nachbarsysteme, Entwicklungswerkzeuge, organisatorische und personelle Voraussetzungen etc.
- Preis: Was kostet ihr System?
Sie können diese Informationen natürlich auch als einfaches Textdokument ablegen - ein realer Produktkarton hat jedoch verschiedene Vorteile:
- Angesichts der begrenzten Fläche sind Sie gezwungen, sich wirklich kurz zu fassen.
- Sie nehmen gedanklich die Fertigstellung des Produktes vorweg und preisen es bereits vorab an. Damit formulieren Sie ein Ziel, und klare Ziele sind eine wesentliche Voraussetzung, um die Handlungen der Projektbeteiligten auszurichten und ergebnisorientiert zu bündeln.
- Der Karton als materialisiertes Ziel schafft eine Identifikationsmöglichkeit und hat einen hohen symbolischen Wert. Wenn jemand von außen in das Projekt kommt und fragt: "Was macht ihr eigentlich?", dann geht man zum Produktkarton und zeigt ihn: "Das machen wir: ein XY-System. Es kann [...] leisten." Der Produktkarton sollte möglichst dort stehen, wo das Projektteam sich regelmäßig trifft.
- Auch spätere mögliche Änderungen an den grundlegende Leistungsmerkmalen und Voraussetzungen werden auf dieser Ebene konkret wahrnehmbar, weil der Karton ggf. geändert werden muss. Anstatt dem Produkt immer weitere Eigenschaften hinzuzufügen und damit allein durch die Größe den Projekterfolg zu gefährden, was auch eine entsprechende störende Überarbeitung des Produktkartons notwendig macht, kann es vorteilhafter sein, die zusätzlichen Features in entsprechende Zusatzprodukte auszugliedern, d.h. in separate Projekte mit eigenem Produktkarton. So wie die Freisprecheinrichtung für ein Mobiltelefon ein Zusatzprodukt ist, ist dann vielleicht auch die SAP-Schnittstelle einer Software separiert.
Wenn Sie die Systemidee kennen, kennen Sie auch die Ziele Ihres Softwarentwicklungsprojektes. Geben Sie Ihrem Produkt oder Ihrem Projekt einen Namen - auch der Name ist ein Identifikationspunkt. In größeren Projekten wird oftmals auch ein eigenes Logo für das Projekt und/oder das Produkt entworfen. In ganz großen Projekten werden manchmal richtig professionelle Broschüren bis hin zu eigenen Projektvisitenkarten entworfen und produziert.
OEP - Object Engineering Process, v3.0, 06.11.2006 11:05:04, Copyright © 2006 by oose Innovative Informatik GmbH