Aktivität

[Eigene Ergänzungen/Erfahrungen bearbeiten]

Iterations-, Prozess- und Änderungsmanagement

A-249 Aufwandsschätzworkshop durchführen

Ein Workshop wird mit den wichtigsten Projektbeteiligten abgehalten. Darin werden die Aufwände für die Umsetzung des Projektes auf Basis der notwendigen Aktivitäten geschätzt. In den Folgephasen werden die Schätzungen analog verfeinert.

Aktivität muss durchgeführt werden in Vorbereitungsphase (Iterative Aktivität)
Aktivität muss durchgeführt werden in Entwurf-/Architekturphase (Startphase) (Iterative Aktivität)
Aktivität sollte durchgeführt werden in Konstruktionsphase (Hauptphase) (Iterative Aktivität)
Aktivität muss nicht durchgeführt werden in Einführungsphase (Iterative Aktivität)


Der Workshop zum Schätzen der erwarteten Aufwände wird je nach Projektgröße mit einer Dauer von 1 - 5 Tagen durchgeführt. Während des Workshops werden die notwendigen Aufgaben bzw. Features gesammelt, so fein wie möglich gegliedert und von allen Teilnehmern einzeln bzgl. des Aufwands geschätzt.

Als Hilfsmittel für die Schätzungen dienen die bisherige Anforderungsspezifikation, die Liste der Projektrisiken sowie eine Liste der Erfolgskriterien. Das Ergebnis des Workshops ist eine Aktivitätenliste, in der für jede Aktivität ein Aufwandsschätzwert fetsgelegt wird.

Schätzgegenstände und -ergebnisse
Es sind alle Sachverhalte und Aufwände zu berücksichtigen, die notwendig sind, um den Projektauftrag zu erfüllen. Dies sind sowohl alle Systemanwendungsfälle und jede Schnittstelle, als auch Aktivitäten, die sich aus Querschnittsfunktionen ergeben, wie z.B. QS, Test, Konfigurationsmanagement oder das Projektmanagement selber.
Aufwände werden in Personentagen (PT) geschätzt. Ggf. werden auch Angaben zur möglichen Dauer gemacht. Die Schätzgenauigkeit wird angegeben. Des Weiteren sind die Schätzprämissen u.Ä. festzuhalten sowie die schätzenden Personen. Es sind bewusst bestimmte Schätzverfahren und -techniken auszuwählen und anzuwenden (bspw. Drei-Punkt-Schätzung, Delphi-Methode etc.).

Durchführung
Die Durchführung des Workshops gliedert sich in drei Teile:

Der Workshop wird von einem speziellen Moderator, ggf. dem Gesamtprojektleiter moderiert. Die einzelnen Schritte in der Durchführung werden in vorher festgelegten Timeboxen geleistet. Wichtig ist dabei, für jede einzelne Schätzung die gleiche Zeit einzuräumen. Der Moderator ist für die Vorgehensweise und zielführende Moderation verantwortlich.

Feinstruktur (Teilaktivitäten) der für die Umsetzung des Projektes notwendigen Aktivitäten erstellen
Weit gehend alle im Projekt nach aktuellem Kenntnisstand notwendigen Aktivitäten sollen gefunden und möglichst fein strukturiert werden.

Zum Einstieg stellt die Projektleitung ihre bisherigen Ergebnisse bzgl. der notwendigen Aktivitäten vor und erstellt eine erste Aktivitätenliste. Danach wird in einem kurzen Brainstorming aller Teilnehmer diese Liste um weitere Aktivitäten ergänzt. Als Letztes werden zu jeder Aktivität in der Liste in einem kurzen Brainstorming die Teilaktivitäten ermittelt. Das Brainstorming erfolgt in festen, gleich großen Timeboxen.
Das Prinzip dieses Vorgehens ist es also, zuerst auf grobem Niveau in die Breite zu gehen, um möglichst alle Aktivitäten grob zu erfassen, und erst danach zu jeder Aktivität die Details zu bestimmen.
Wie bekommen wir die Unsicherheiten unserer Schätzungen in den Griff? Aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen mit den einzelnen Aktivitäten wird die Detaillierung in den Teilaktivitäten und damit verbunden auch die Schätzsicherheit unterschiedlich ausfallen. Der Grad der Sicherheit ist für jede geschätzte Teilaktivität als Prozentwert aufzunehmen (z.B.: 90% = hohe Sicherheit/viel Erfahrung; 50% = mittlere Sicherheit/einzelne Bereiche sind technologisch, fachlich oder methodisch neu; 10% = geringe Sicherheit/zu weiten Teilen bzw. für die ganze Teilaktivität liegen keine Erfahrungen vor). Die daraus ableitbaren Unsicherheiten sind zu bestimmen und für die betroffenen Teilaktivitäten werden Sicherheitsaufschläge als Reserven für die Umsetzung gemacht.

Aufwandsschätzung einer einzelnen Teilaktivität
Aufwandsschätzwerte und Risikoschätzungen werden für alle Teilaktivitäten ermittelt.

Es wird zu Beginn ein geeignetes Schätzverfahren (s.u.) bestimmt. Allen Teilnehmern wird das ausgewählte Verfahren detailliert erläutert.
Für jede Teilaktivität wird nacheinander ein gemeinsamer Aufwandsschätzwert sowie dessen Eintrittswahrscheinlichkeit als Maß für das Risiko ermittelt. Es sind stets alle Teilnehmer an einer Schätzung beteiligt; es wird nicht an die jeweiligen Experten deligiert. Ggf. können im Rahmen einer Diskussion die Experten nur versuchen, die anderen Teilnehmer von ihrer Meinung zu überzeugen.
Für jede Schätzung wird die gleiche Dauer angesetzt. Prinzipiell gilt, sich für jede Schätzung ausreichend Zeit zu lassen (> 1 Minute).
Das Ergebnis der Gruppenschätzung wird in der Teilaktivitätenliste hinter der jeweiligen Teilaktivität vermerkt.

Ergebnis zusammenfassen und Konsistenz herstellen
Die einzelnen Teilschätzungen werden für die groben Aktivitätsblöcke zusammengefasst und auf Konsistenz und Plausibilität geprüft. Auf Basis der groben Aktivitäten können Konsistenzkorrekturen vorgenommen werden, die jedoch i.d.R. nur durch die Vergrößerung von Aufwänden erfolgen sollten.

Für jede Aktivität wird ihr Schätzwert durch die Summe der Aufwandsschätzungen der Teilaktivitäten ermittelt. Zusätzlich müssen Abhängigkeiten zwischen den Teilaktivitäten berücksichtigt werden. Die Eintrittswahrscheinlichkeit für eine Aktivität ergibt sich aus dem über die Teilaufwände gewichteten Mittel der Teil-Eintrittswahrscheinlichkeiten. Das folgende Beispiel erläutert das Verfahren:



Auf Basis der Aktivitäten werden die Aufwände miteinander verglichen. Bei Inkonsistenzen sollte i.d.R. eine Korrektur durch die Vergrößerung des Aufwands eines oder mehrerer Aktivitäten erfolgen. Inkonsistenzen bei der Eintrittswahrscheinlichkeit werden dagegen durch die Absenkung der Eintrittswahrscheinlichkeit einer oder mehrerer Teilaktivitäten eliminiert.
Für jede Aktivität und ihre bislang bekannten Teilaktivitäten liegen nun Aufwandsschätzungen und Eintrittswahrscheinlichkeiten für die Schätzwerte vor.

Einfache Schätzmethoden im Überblick
Spätestens zu Beginn des Workshops wird das zu nutzende Schätzverfahren festgelegt. Der OEP schlägt vier Schätzmethoden mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen vor, aus denen das dem Problem angemessenste Verfahren ausgewählt wird. Die Gesamtprojektleitung ist für diese Auswahl verantwortlich.


Begründung:

Für den Projektauftrag mit einer ersten groben Projektplanung wie auch in den folgenden iterativen Planungen sollten möglichst gute Aufwandsschätzwerte vorliegen. Aufwandsschätzungen erfolgen am besten im Rahmen von Workshops mit einer heterogen zusammengesetzten Gruppe, wobei immer nur möglichst kleine und damit überschaubare Teile geschätzt werden.

Auslöser:

Vorbedingung:

Die Projektidee muss soweit gereift sein, dass sich fast alle Aktivitäten zu Umsetzung ableiten lassen. Sinnvollerweise liegt dazu der Projektauftrag in einem ersten Entwurf (noch ohne konkrete Aufwandsschätzungen) vor.

Unterlagen:

E-22 Projekterfolgskriterien
E-23 Projektrisiken
E-20 Anforderungsspezifikation
E-155 Ausschlussliste

Gegenbedingung:

Große Unklarheiten über den Aufgabenumfang zentraler Projektteile oder fehlende Abgrenzungen des Projektes in zentralen Teilen
Keine einheitliche Auffassung der Zielsetzung und Systemidee

Ergebnisse:

E-10 Aufwandsschätzung

Besond. Hilfsmittel:

White-Board, Flip-Charts, Taschenrechner,
Aufwandsschätzungsunterstützungswerkzeug
Textverarbeitung

Verantwortlicher:

projektintern.Gesamtprojektleitung

Beteiligte:

projektintern.SystemanalytikerIn
projektintern.FachlicheR ArchitektIn
projektintern.StapelverarbeitungsprogrammentwicklerIn
projektintern.DatenmodelliererIn
projektintern.Projekt-QualitätsmanagerIn
projektintern.TechnischeR ArchitektIn
projektintern.Technische Projektleitung
projektintern.Fachliche Projektleitung

Nachfolg. [Beding.]:

A-2 Projektziele und Projektauftrag formulieren und iterativ abstimmen
A-12 Gesamtplanung (Makroplan) erstellen bzw. aktualisieren

OEP - Object Engineering Process, v3.0, 06.11.2006 11:05:00, Copyright © 2006 by oose Innovative Informatik eG