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Cloud App? Ich bin doch nicht bloed!

Cloud App? Ich bin doch nicht bloed!

13. Februar 2011

Ein Kollege erklärte mir gestern, dass er für eine spezielle Transformation „Cloud-Funktionalität“ benutzt hätte. Konkret ging es um die Umwandlung von MS Visio in BPMN 2.0; die Seite http://www.businessprocessincubator.com bietet dies als Service, oder wie sie es nennen, ganz modern als „Cloud App“ an:

CloudApp

Cloud gehört noch immer zu den aktuellen Aufregern in unserer IT-Welt. Mit „Cloud Apps“ hat der Anbieter hier sogar gleich zweimal in die Trend-Zentrifuge gegriffen — Das Menu ist jedenfalls Buzzword compliant. Schön.

Mon Chéri wirbt mit der Piemont-Kirsche. Vermutlich bin ich nicht der einzige, der keine Ahnung hat, was das ist. Ist mir auch egal, Hauptsache lecker. Wen sollte nun interessieren, dass ein Service ein „Cloud Service“, bzw. hier eine App eine „Cloud App“ ist?  Mein erster Gedanke also: Marketing-Schnick-Schnack — Das ist ein netter Service, aber kein Cloud-Computing! Wirklich nicht?

Er hat überhaupt nicht gebohrt

Cloud Computing ermöglicht einen Betrieb von Anwendungen, der von Infrastrukturdetails abstrahiert, und der es erlaubt,  bei sich änderndem Bedarf weitere Resourcen hinzu oder auch wieder weg zu nehmen. Verschiedene Anbieter haben unterschiedliche Modelle entwicklelt, die sich vor allem im Grad der Abstraktion unterscheiden.

Nun will ich diesen Service aber gar nicht betreiben. Ich will ihn nur nutzen. Netterweise ist dieser hier sogar umsonst („Geiz ist geil“). Für mich als Nutzer ist relevant, dass der Service ausreichend verfügbar ist, und ein akzeptables Antwortverhalten zeigt. Möglichweise hat der Betreiber auf Cloud-Lösungen gesetzt, um diese Qualitätsziele zu erreichen. Aber im Grunde ist es mir egal. Vor allem würde ich als Anwender aus der bloßen Tatsache, dass Cloud im Spiel ist, kaum auf Qualität schließen können.

Sie waschen gerade Ihre Hände drin

Ziehen wir die Definition von Cloud Computing bei Wikipedia zu Rate: „Cloud computing describes computation, software, data access, and storage services that do not require end-user knowledge of the physical location and configuration of the system that delivers the services.“ Das ist so weich, dass so ziemlich jeder im Netz angebotene Service sich Cloud Service nennen könnte.

Und tatsächlich geht obiger Service als SaaS (Service als SaaS) und damit als eine der klassischen Spielarten von Cloud durch. Vermutlich hätte ich mich weniger dran gestoßen, wenn der Service nicht kostenlos gewesen wäre. Services, die über das Netz zu nutzen sind, anstelle der Installation einer lokalen Applikation, gibt es natürlich reichlich.

Zwei konkrete Beispiele dieser Art, dich ich in letzter Zeit genutzt habe: yUML zur Erzeugung von UML-Diagrammen und 3D-box maker zur Erzeugung von Produktkarton-Bildern …

Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Es ist müßig ist zu diskutieren, ob nicht jede Web-Seite die weiche Definition zu Cloud Computing bei Wikipedia erfüllt. Ein Aspekt jedoch, der Cloud Computing eigen ist, ist beim konkreten Beispiel wie auch bei den beiden anderen Services, die ich genannt habe, extrem relevant: Die Frage nach der Sicherheit. Immerhin lade ich Modelle hoch, die dann von dem Service verarbeitet werden. Was geschieht mit meinen Daten — auf dem Weg von und zum Anbieter, und vor allem in dessen wolkiger Infrastruktur? Bei unternehmenskritischen Inhalten sicherlich bedenkenswert.


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Eine Antwort zu “Cloud App? Ich bin doch nicht bloed!”

  1. Hallo,

    der Aspekt der Sicherheit von Cloud-Anwendungen ist sicher bedenkenswert. Aber: Die zur Zeit erfolgreichste Firma im SaaS-Cloud-Umfeld ist salesforce.com mit ca. 2 Mrd $ Umsatz. Das Angebot ist ein CRM, in dem Kunden-Kontakte, Angebote, Umsätze usw. gespeichert werden. Unternehmenskritischere Daten kann ich mir kaum vorstellen. Der Markt nutzt also durchaus Cloud-Anwendungen, selbst wenn es um die zentralen Unternehmensdaten geht.

    Gruß,

    Eberhard

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