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Das war die SoCraTes 2014

Das war die SoCraTes 2014

11. August 2014

Nunmehr schon zum vierten Mal fand vom 07. bis 10. August die diesjährige International Software Craftsmanship and Testing Conference (SoCraTes) statt. 150 Leute mit einer ausgeprägten Leidenschaft für gute, qualitativ hochwertige Softwareentwicklung haben sich in Soltau (Niedersachsen) getroffen, um sich über unser Handwerk auszutauschen, neue Trends in der Softwareentwicklung zu diskutieren, oder um in zahlreichen Hands-On-Sessions zu praktizieren und zu üben.

socrates_logoObwohl ich schon seit etwa 2010 Anhänger der Software Craftsmanship Bewegung bin und auch seit ihrer Gründung Mitglied der Softwerkskammer Hamburg, war es mir bislang aus terminlichen Gründen leider nie gelungen an den SoCraTes Konferenzen der letzten drei Jahre teilzunehmen. Umso mehr war ich gespannt auf dieses Event, das in diesem Jahr auch erstmals an einer neuen, größeren Location, im Hotel-Park Soltau, stattgefunden hat.

SoCraTes ist eine sog. „Unkonferenz“, d.h. im Gegensatz zu klassischen Konferenzformaten mit vorab eingereichten Vorträgen gibt es kein vordefiniertes Programm. Stattdessen gestalten die Teilnehmer vor Ort die Agenda im Rahmen eines als Open Space Technology bezeichneten Formats, indem diese eigene Themen ins Plenum einreichen und dazu eine Session gestalten.

Obwohl die Konferenz bereits am Donnerstag Nachmittag mit dem Eintreffen der Teilnehmer, dem Kennenlernen und einem World Café (dabei handelt es sich um eine Workshop-Methode) begonnen hatte, konnte ich erst zum Ersten von zwei Open Space Tagen am Freitag dabei sein. Dieser startete mit dem Open Space Marktplatz, bei dem die Teilnehmer ihre Themen einreichen, kurz vorstellen, und in eine Matrix bestehend aus sechs einstündigen Zeitfenstern, 11 Räumen, sowie ein paar weiteren Orten für eine Zusammenkunft („Elsewhere“) einsortieren konnten. Insgesamt konnte somit die beeindruckende Zahl von insgesamt rund 90 Sessions an diesem ersten Tag angeboten werden, und am zweiten Tag waren es bedingt durch die gemeinsame Abschlußsession nur geringfügig weniger.

Und es zeigte sich auch, dass die Agenda an beiden Open Space Tagen – Freitag und Samstag – zwar nicht komplett, aber dennoch sehr gut gefüllt werden konnte. Die Anzahl an interessanten Themen war bombastisch, und schon hatte man die Qual der Wahl.

Zu den häufig auftauchenden Themen gehörten u.a. Test-Driven Development (TDD), Domain-Driven Design (DDD), Microservices, diverse praktische Sessions mit JavaScript, Clojure, und anderen Sprachen, der Einsatz von git, Docker, der Umgang mit Legacy Code, und vielem mehr. Interessanterweise waren auch zahlreiche Sessions dabei, die nicht unmittelbar etwas mit Coding, Design, Softwarearchitektur oder Softwaretechnologien zu tun hatten, z.B. Personal Kanban, Rekrutierung von guten Leuten, Ausbildung, Impulse für Veränderungen in der Organisation setzen, #noestimates, usw.

flipchart_socrates14In einer von mir eingereichten Session habe ich die Frage gestellt: „Are C/C++/Embedded developers forgotten by those promoting software craftsmanship?“. Meine Wahrnehmung ist nämlich, dass die Software Craftsmanship Bewegung vor allem die Entwickler von Webanwendungen und IT-Business-Systemen ganz gut erreicht, aber im Embedded-Umfeld kaum gesehen wird. Dort entstehen aber gerade die Softwaresysteme, die sehr stark mit der physischen Welt interagieren und Grundlage unserer modernen Zivilisation sind. Tagtäglich kommen wir unzählige Male mit „unsichtbarer“ Software in Berührung, die Fahrstühle steuern, Klimaanlagen regeln, für sicherheitskritische Funktionen von Fahrzeugen zuständig sind, usw. Und mit dem Trend Internet Of Things wird das noch deutlich zunehmen. Doch warum kennt man ausgerechnet dort kaum Clean Code Prinzipien, Praktiken wie TDD, und andere wertvolle Dinge aus dem Kontext des Craftsmanships? Die Diskussion mit den Besuchern meiner Session war auf jeden Fall aufschlussreich und hat mir ein paar interessante Einsichten beschert (siehe Flipchart-Foto).

Weitere Sessions, die ich besucht habe, waren u.a.:

  • Doug Bradbury, Director of Software Services bei 8th Light, Inc. aus Illinois (USA) und somit wohl der Konferenzbesucher mit der weitesten Anreise, erzählte uns als „Mann der ersten Stunde“ von der Entstehung und Entwicklung des Software Craftsmanship Manifests.
  • „10 ways to spark change in your company“: Was kann bzw. muss man tun um notwendige Veränderungen in Organisationen herbeizuführen?
  • „Resilient software design“ (Uwe Friedrichsen): Resilienz (in etwa: Widerstandsfähigkeit, Erholungsfähigkeit) ist die Fähigkeit eines Softwaresystems mit Störungen und Fehlern so tolerant umzugehen, dass ein akzeptables Leistungsniveau des Systems erhalten bleibt.
  • Eberhard Wolff stellte die These auf: „Microservices – neither Micro nor a Service!“ und erläuterte uns seinen Standpunkt, worauf hin eine lebendige Diskussion entstand.
  • Bradford Hovinen von TNG Technology Consulting GmbH erklärte uns, was eine hexagonale Architektur (auch: Onion Architecture) ist und diskutierte die Vorteile dieses Architekturmusters.
  • Auch ein Thema für Software Craftsmen: „How to recruit good people resp. find your new job the right way?“ Darüber werde ich ggf. noch einmal separat bloggen.

Und wer jetzt geglaubt hat, dass nach so einem langen Konferenztag am Abend nichts mehr passiert, der kennt die Software Craftsmanship Community nicht. Auch nach dem Abendessen wurde überall lebhaft diskutiert, in Gruppen an Laptops entwickelt, oder andere spannende Dinge getan. Man fand sich zusammen zum Beachvolleyball, Fahrradfahren in der Lüneburger Heide, zu einem spontanen Code Retreat, zu Brettspielen, zum Musizieren (z.B. Kleiner Einführungskurs ins Beatboxing), oder ganz einfach zum Klönen bei einem Glas Bier.

Alles in allem war das eine großartige Konferenz, mit tollen Leuten und vielen inspirierenden Gesprächen. Und das besonders Schöne ist, dass es sich um eine Non-Profit-Veranstaltung handelt, die im Wesentlichen durch zahlreiche Sponsoren (u.a. auch oose) finanziert wurde und somit für die Teilnehmer zu einem unschlagbar günstigen Teilnahmepreis gebucht werden konnte.

All das wäre aber niemals möglich gewesen, gäbe es da nicht die engagierten, ehrenamtlich arbeitenden Organisatoren aus den Softwerkskammern! Danke an Euch! Und auch vielen Dank an Pierluigi Pugliese, der die zwei Open Space Tage als Facilitator super geleitet hat. Und zu guter Letzt auch tausend Dank an die vielen Angestellten des Hotel-Parks Soltau, die sich so toll um uns gekümmert haben.

Für den nicht gerade optimalen Mobilfunkempfang an diesem doch etwas abgelegenen Ort kann das Hotel sicher nichts. Einer meiner wenigen Kritikpunkte ist aber: leider war das WiFi/WLAN des Hotels mit den vielen Smartphones und Laptops arg überfordert und dadurch phasenweise kaum nutzbar; hier empfehle ich eine technische Aufrüstung.

Mein Fazit: Nächstes Jahr bin ich auf jeden Fall wieder dabei!

Wer jetzt noch ein paar Impressionen sehen möchte: bei Flickr findet sich eine Fotostrecke von Sebastian Bergmann.


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