menu Navigation
Der Product Ownder ist tot, lang lebe das Product Owner-Team

Der Product Ownder ist tot, lang lebe das Product Owner-Team

5. März 2012
Highlander

Wenn es um den Productowner geht, lautet das Mantra der Agilisten ja immer: Es kann nur einen geben. (Roman Pichler schrieb gerade seinen Blog-Eintrag ‘Das Highlander-Prinzip‘).

Also: Die Rolle Product-Owner ist nur von einer realen Person besetzt und damit haben wir einen oder eine “single wringable neck” – einen Menschen, den wir in die Verantwortung nehmen.

Ich sage jetzt mal: Schluss mit dieser veralteten Sichtweise. Nicht, weil diese eine Person unglaublich schwer zu finden ist (das ist sie). Sondern weil es Denken auf Basis alter Prinzipien ist, weil es auf Angst basiert und demnach auf dem Wunsch sich abzusichern.

Welche Argumente für das Highlander-Prinzip (nur eine reale Person als Productowner) werden genannt?

  • Das Entwickler-Team soll geschützt werden vor divergierenden Interessen von außen, so dass es fokussiert und gerichtet eine Vision verfolgen kann. Der Product-Owner ist die Schleuse, die alle Ideen, Anforderungen, Arbeitsaufträge an das Team filtert und priorisiert.Ich bin mir sicher, dass hier der historische Grund liegt, warum die Productowner-Rolle in Scrum so angelegt wurde. Aber was spricht in reifen Organisationen bitte dagegen, dass diese Schleusenfunktion von einem Team wahrgenommen wird, das eine gemeinsame Vision verfolgt und auch gemeinsam Verantwortung trägt?
  • Einer muss die Entscheidungen treffen und gegenüber der Organisation verantwortlich sein. (Aus Romans Blog-Beitrag: “[To put one person in charge of the product] integrates strategic and tactical product management aspects. It unites authority and responsibility, and speeds up decision-making.”) – also wenn einer die Entscheidungen trifft, wird alles schneller und besser.Hier steht die Angst dahinter, dass gemeinsam getragene Verantwortung bedeutet, dass Verantwortung gar nicht genommen wird, dass sie irgendwo diffundiert. Und die Überzeugung, dass das Muster des weisen Königs, der sein Land überblickt und die richtigen Entscheidungen trifft, die beste denkbare Art sei, ein Projekt, Unternehmen oder eben ein Land zu führen. Schnell kann man so sicherlich entscheiden, aber besser?

Insofern ist klassisches Projektmanagement in sich gesund und schlüssig: Da gibt es für alles genau einen Verantwortlichen. Scrum hingegen ist ja wunderbar schizophren. Nicht weit vom Productowner entfernt sitzen ja Menschen für die all die guten Gründe, die für genau einen Productowner sprechen, nicht gelten sollen: das Entwicklungsteam.

Das Entwicklungsteam verantwortet gemeinsam den Weg von der Sprint-Planung bis zum Lieferung des Inkrements, es verantwortet gemeinsam die Schätzungen, das Design, das Ausräumen von Hindernissen und die Enttäuschung am Sprint-Ende, wenn Erwartungen nicht erfüllt wurden.

Hier wird also das agile Prinzip umgesetzt, dass die besten Lösungen aus selbstorganisierten Teams heraus entstehen.

Wenn es hier geht und so sein soll, wieso nicht auch ein Productowner-Team, das gemeinsam ein Backlog pflegt, priorisiert und sein Vorgehen in der Organisation verantwortet?

Noch ein Nebengedanke und eine Warnung:

Die Warnung: Ein Productowner-Team ist ein Muster für eine reife Organisation. Auf dem Weg dorthin kann die Einführung eines Product-Owners nach dem Highlander-Prinzip sicherlich sinnvoll sein.

Der Nebengedanke: Dies scheint mir gerade die einzige Stelle zu sein, wo Scrum selbst sich noch weiterentwickeln kann. Scrum ist so klar definiert und reduziert, dass die Entwicklung im Grunde abgeschlossen ist – mit negativer Konnotation ausgedrückt: es ist tot. Innovation im Produkt-, Projekt-, Changemanagement und in neuen Formen der Zusammenarbeit findet gerade woanders statt.

Also: Nachdem sie nun die Projektleiter abgeschafft haben, Abteilungsgrenzen zwischen Designer, Entwicklern, Testern aufgesprengt haben, machen Sie den nächsten Schritt und schaffen sie das Highlander-Prinzip ab. Der Film ist schließlich auch 25 Jahre alt.

Kommentare sind geschlossen.