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Geschäftsprozesse

Ist die DMN nur eine Erweiterung der BPMN?

21. März 2017

Wer die Diskussionen rund um das Thema DMN verfolgt, der bekommt schnell den Eindruck, es handelt sich dabei um ein Werkzeug, um die Business Rule-Aktivitäten in der BPMN mit Hilfe von Entscheidungstabellen zu beschreiben und nach Möglichkeit zu automatisieren. Die Decision Requirement-Diagramme haben in dieser Sicht vor allem die Aufgabe, die Eingabedaten für die Entscheidungstabellen zu visualisieren. Dass wir hier jetzt nicht mehr von Geschäftsregeln, sondern von Entscheidungen sprechen, ist vor allem durch Marketingerwägungen motiviert.

Und es stimmt ja auch: so kann man die DMN sinnvoll verwenden. Aber um das Potential der DMN und die dahinterliegenden Ideen des Entscheidungsmanagements wirklich zu verstehen, sollte man vorübergehen vergessen, dass es so etwas wie die BPMN überhaupt gibt! Vergessen wir einmal komplett die Prozesssicht! (Ja, ich weiß, das ist schwierig, nachdem wir jahrelang dafür gearbeitet haben, diese durchzusetzen.)

Nehmen wir so eine einfaches, aber unter Umständen sehr wichtiges Thema wie den Erwerb des Abiturs. Letztlich ist das alles ziemlich genau durch Gesetze geregelt, z.B. für Hamburg durch die „Ausbildungs- und Prüfungsordnung zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife“. Wer sich die anschaut, wird dort keine Ablaufbeschreibung finden, sondern zahlreiche (gesetzliche) Regelungen. Wer dieses Thema verstehen will – und das sollten die Schüler, die das Abitur anstreben und natürlich die Lehrer –, muss sich mit Regeln auseinandersetzen.

Viele der dort genannten Regeln haben eher definitorischen Charakter, erklären also beispielsweise, was eine Studienstufe ist, welches die sogenannten Kernfächer sind. Andere beschäftigen sich mit so wichtigen Fragen „Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen, um zur Prüfung zugelassen zu werden?“

So, und wenn Sie das analysieren und verstehen wollen, welches Werkzeug hilft Ihnen da weiter? Natürlich nicht die BPMN. Stattdessen können Sie mit Hilfe der DMN zunächst die Fragen identifizieren, die es überhaupt zu beantworten gilt, die notwendigen Informationen für die Entscheidungen und schließlich die Entscheidungslogik beschreiben, z.B. mit Entscheidungstabellen. Wenn Sie das dann alles verstanden haben, können Sie überlegen, wann Sie was machen; und das ließe sich dann mit der BPMN beschreiben. Aber den Rahmen geben hier die Regeln vor, die BPMN-Ablauf-Beschreibungen sind dann mögliche Umsetzungen, von denen es hier natürlich mehrere geben kann.

Solche Entscheidungen stehen auch im geschäftlichen Kontext häufig im Vordergrund, z.B. soll ein Kredit vergeben werden? Welche finanziellen Risiken dürfen wir eingehen? Ist eine Investition sinnvoll?

Damit soll nicht behauptet werden, dass die Analyse von Entscheidung mittels der DMN immer zuerst kommen sollte. Natürlich hat die prozedurale Sicht weiterhin ihre Berechtigung und ist auch in vielen Fällen das, was zuerst geschehen sollte. Nur ist das eben nicht immer so. Es ist sogar seltener so, als man glaubt, da wir gewohnt sind, immer alles als Ablauf zu betrachten.

Übrigens, wenn Sie wissen wollen, wie die Analyse der Prüfungsordnung mit Hilfe der DMN aussieht, kommen Sie zu unseren Seminaren oder schnuppern Sie bei open oose rein.

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