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Twitter ersetzt Arbeitstreffen

25. September 2009

Die Idee hierzu geht auf Erfahrungen und Anregungen aus einem räumlich zerstreuten agilen Projekt zurück. Wenn die Projektmitglieder alle in einem Raum sitzen, bekommen sie viele auch nicht fachliche Informationen der anderen Beteiligten mit. Beispielsweise dass ihr Mac abgestürzt ist oder was sie im Urlaub gemacht haben. Die für die fachliche Arbeit vermeintlich irrelevanten Informationen sind wichtig für funktionierende soziale Interaktionen. Und ohne eine funktionierende Beziehungsebene leidet auch der arbeitsrelevante Austausch und die fachliche Kooperation.
In dem besagten agilen Projekt arbeiteten die Beteiligten räumlich verteilt. Nach einer kurzen initialen Kennlernphase an einem gemeinsamen Ort gab es nur noch gelegentliche persönliche Treffen. Alles andere lief über E-Mail, Telefon und Videokonferenzen. Und es wurde fleißig gezwitschert!
Abgesehen vom Nachrichtenaustausch bei bestimmten Großereignissen ist Twitter ist eine Plattform, auf der vorwiegend persönliche, oft gar banale und für den Arbeitskontext irrelevante Informationen ausgetauscht werden. Daher wird Twitter auch vielfach gering geschätzt. Vermutlich ist es auch eher eine Plattform älterer Menschen – angeblich ist der Anteil der unter 25-Jährigen vergleichsweise gering.
Auch für den direkten Freundeskreis bedarf es wahrscheinlich Twitter nicht, da diese Personen sich öfter persönlich treffen, simsen und telefonieren. Twitter ist ein gutes Medium, um mit den Freunden und Bekannten aus der zweiten und dritten Reihe in Kontakt zu bleiben. Also solchen Personen, die man oftmals schon einige Zeit kennt, die man aber eher seltener oder nur in ganz speziellen Kontexten trifft. Hier kann Twitter helfen, mehr und vor allem kontinuierlich mitzubekommen, was der andere gerade so macht oder denkt.
Und genau diesen Effekt können sich agile Projekte zu Nutze machen, um den sozialen Kontakt zu den entfernten Kollegen zu halten. Die „Kontakttemperatur“ kann gehalten werden. Diesen Effekt spüre ich jetzt auch in unserer unternehmensinternen Kommunikation. Bis zum Frühjahr dieses Jahres hatten wir oose-intern jeden Freitag von 8.15 bis 9.00 Uhr ein Jourfix veranstaltet, zu dem alle Mitarbeiter eingeladen waren und das vor allem von Trainern/Beratern, Vertriebsmitarbeitern und teilweise dem Sekretariat genutzt wurde. Auch der eine oder andere Bewerber oder Geschäftsfreund hat schon mal zugehört, um uns besser kennen zu lernen. Inhaltlich hat jeder ganz kurz erzählt, was er in der Woche gerade besonderes gemacht oder erlebt hat oder was in der nächsten Woche ansteht. Der Vertrieb hat über alle neuen Anfragen, abgegebene Angebote oder eingegangene Aufträge berichtet. In einem Unternehmen, in dem viele Mitarbeiter einen nennenswerten Teil auswärts arbeiten, ist dieser Austausch sehr wichtig, um in Kontakt zu bleiben, Verständnis für einander zu gewinnen, sich gemeinsam zu freuen oder zu ärgern usw.
Dieses Treffen haben wir aus verschiedenen Gründen abgeschafft bzw. ausgesetzt. Zeitgleich haben wir begonnen, mit Twitter zu experimentieren. In den ersten Wochen war es ein kleiner Kreis, der dann langsam wuchs, und seit kurzem haben auch die letzten Skeptiker zumindest ein Twitter-Konto und sind passive Nutzer. Für mich hat sich Twitter als eine ernstzunehmende Alternative zu dem Jourfix herausgestellt. Es hat sogar ein paar Vorteile. Es ist zeitnäher/aktueller, inhaltlich knapper aber oftmals vielfältiger, ich versäume nichts, die Tweets bleiben erhalten und sind recherchierbar. Nichtsdestoweniger fand ich das persönliche Treffen am Freitag schöner.
Und es gibt es natürlich auch ein paar Nachteile. Vor allem die Öffentlichkeit. Grundsätzlich haben alle oose-Beteiligten ein geschütztes Twitterkonto, also eines, bei dem explizit freigegeben werden muss, wer mitlesen darf. Und viele Mitarbeiter haben dann zusätzlich ein zweites öffentliches Konto. Die vertraulichen Infos gehen dann nur über die geschützten Konten – und auch dort eher mit Umschreibungen wie „der große HH-Kunde“ oder „mein Lieblingskunde“ etc., da wir Twitter nicht über den Weg trauen und davon ausgehen, dass unsere Konten mit krimineller Energie zu knacken wären. Um uns und unsere Kunden zu schützen, verklausulieren wir die Botschaften soweit notwendig – verstehen uns aber trotzdem.
So sehr ich das alte persönliche Treffen vermisse, so sehr möchte ich doch das interne Gezwitschere auch nicht mehr aufgeben. Sobald wir länger Erfahrungen damit haben, berichte ich vielleicht noch mal mehr.
Bernd Oestereich


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