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Wenn du geredet hättest, Desdemona!

Wenn du geredet hättest, Desdemona!

24. Oktober 2012

Haben Sie dieses Buch gelesen? Es ist von Christine Brückner aus dem Jahre 1983 und sie beschreibt darin ungehaltene Reden un-gehaltener Frauen: neben vielen anderen kommt Katharina Luther zu Wort, Christine von Goethe genauso wie  Desdemona (die Frau des Othello) und  Maria spricht zu Gott. Diese Reden wurden tatsächlich nie gehalten, doch was wäre wenn die Frauen zu Wort gekommen wären, sich das Wort genommen hätten, sich ihrer eigenen Stärke bewusst gewesen wären und für das gegangen wären, was ihnen wichtig war?

Um die eigenen Stärken, das eigene Potential  und den eigenen Führungsstil geht es in dem neuen Seminar Frauen in Führungspositionen (FIF).  Ich habe dieses Seminar ausgearbeitet und ich glaube, es ist daran alles neu, was überhaupt nur neu sein kann: das Format, die inhaltliche Ausrichtung, eine klar abgegrenzte Zielgruppe.

Was hat mich dazu bewegt, einen Kurs „von Frauen für Frauen in der IT“ zu entwickeln?

Da sind zunächst einmal meine eigenen Erfahrungen, die ich in meinem nun schon über 22 Jahre währenden Berufsleben gemacht habe. Als da wären: offen ausgesprochene Sätze, wie z.B. „Frauen sollten besser Strümpfe verkaufen gehen“ oder etwas weniger aggressive doch genauso verletzende Sätze wie „gar nicht so schlecht für ‘ne Frau“ oder „bei einem Mann hätten die sich das nicht getraut“. Manchmal waren es auch einfach nur dumme Witze. Unangenehmer waren die unausgesprochenen Dinge: interessante Aufgaben, die prinzipiell nur an Männer verteilt wurden, nicht-einbezogen-werden, plötzliches Schweigen und dann laut loslachen, wenn man zu einer Gruppe dazu kommt, ohne eine Erklärung dafür, usw usw.
Und auch von Kolleginnen oder Teilnehmerinnen höre ich Sätze wie „der hat mir nur auf die Beine gestarrt“, „der stellt mir nach“, „mir traut das sowieso niemand zu“ oder „ich hab da sowieso keine Chance, das machen die unter sich aus.“ (alles Zitate). Für mich spannend ist, was dann oftmals passiert: nämlich nichts. Und da möchte ich für mich nicht stehen bleiben. Ich will mehr als eine Schicksalsergebenheit und ich will mehr als meine wütende Reaktion, die selten zum Ziel führt.

Bei mir löst es auch die Frage aus: was macht es eigentlich so schwierig im Miteinander? Und wie sehe eine passendere Arbeitswelt aus? Was können wir jetzt tun – trotz der hinter uns liegenden 2500 Jahre Sozialisierung, die dazu geführt hat, dass die Welt jetzt gerade in ihren Geschlechtermustern so ist, wie sie ist? Wie können wir mit Dingen, die uns aufgrund unseres Frau-Seins immer wieder passieren, umgehen? Wie können wir es als Frauen schaffen, unser volles Potential zu leben und gleichzeitig weiterer Frau-sein, ohne uns in Anzüge mit Krawatten zu zwängen, uns dominante und nicht-authentische Führungsstrategien anzueignen oder Verhaltensmuster anderer zu kopieren. Wie kann das gehen? Was ist eigentlich mein eigener Weg? Wie komme ich in meine Kraft und nutze meine Stärke – für mich, für andere, für die Sache? Mich beschäftigen diese Fragen und ich wünsche mir Antworten darauf und vor allem Veränderung. Und ich habe die Phantasie, dass ich nicht die einzige bin, die das tut.

Ja, und warum die Zielgruppenbeschränkung?

Ich möchte den Teilnehmerinnen einen geschützten Raum bieten. Ich glaube nicht, dass das Phänomen, sein eigenes Licht unter den Scheffel zu stellen und nicht seine volle Kraft zu leben ein rein weibliches Phänomen ist. Doch ich glaube, es sind mehr Frauen als Männer, denen es so geht. Ich glaube, dass es diesen geschützten Rahmen braucht, um sich zu ent-rüsten. Entrüsten im eigentlichen, ursprünglichen Wortsinne: die eigene Rüstung ablehnen, sich verletzlich zeigen, um dann genau zu erkennen, was einem selbst wichtig ist und in die Kraft zu kommen. Und dann genau dafür einzustehen und dafür zu gehen – mit aller Energie und Kraft, die ich aufbringen kann und will. Dafür braucht es ein Ablegen der Rüstung – denn eine Rüstung wirkt immer in beide Richtungen. Es dringt zwar nichts hinein, doch oft auch nichts heraus.

Worum geht es in dem Kurs?

Es geht um unser eigenes weibliches Führungsverhalten. Das übrigens für jede von uns ganz individuell ist – das anzuerkennen kann ein erster Schritt sein. Es geht darum herauszufinden, wie wir uns unsere Arbeitsumgebung wünschen – und wie die eigenen Schritte aussehen können, das auch zu erreichen. Es geht vor allem darum, zu dem eigenen Potential vorzudringen, in die eigene Kraft zu kommen und für das zu gehen, was uns wichtig ist – und genau dafür Verantwortung zu übernehmen. Genauso geht es darum, in einen Austausch zu kommen: denn die Expertinnen sind versammelt und wir können viel voneinander lernen. Und nicht zuletzt ist ein weiterer wichtiger Aspekt für dieses Seminar, das eigene Unterstützerinnen-Netzwerk auszubauen – auch über den Kurs hinaus.

Die ganz konkreten Inhalte werden die Teilnehmerinnen bestimmen – und das ist dann das neue am Format. Meine Aufgabe ist es, den Prozess zur Bearbeitung der eigenen Themen zu begleiten und den Raum zu gestalten, in dem das auch möglich ist.

Die Teilnehmerinnen bestimmen die Inhalte, ich gestalte das Format. Wie kann das denn gehen?

Hinter diesem Format stecken natürlich ganz viele Überzeugungen von mir. Mir ist klar, dass andere Menschen das vielleicht ganz anders sehen. Für mich ist es so:

Ich bin mir sehr sicher, dass ich niemandem wirklich konkrete Methoden, Handlungsanweisungen, Verhaltensweisen lehren kann, damit diese Person in ihre eigene Stärke kommt. Ich bin mir sicher, dass es für ganz unterschiedliche Menschen ganz unterschiedliche passende Methoden und Werkzeuge gibt. Ich glaube jedoch, dass die Lernwege dorthin eher in einem Rahmen von gleichermaßen Leichtigkeit und Intensität gegangen werden können. Und ich glaube, dass die Antworten, wie wir unser Potential wirklich leben können, bereits in uns schlummern. Es gilt jedoch noch sie zu entdecken und zu wecken. Genau diesen Rahmen und diesen Weg möchte ich ausgestalten und begleiten.

Eine weitere Überzeugung, auf der dieses Seminarformat beruht, ist es, dass ich zutiefst an eine Schwarm-Intelligenz glaube – ich habe einfach nicht die alleinweisemachenden Lösungen. Ich glaube, die Bereicherung liegt in der Gemeinschaft, im Austausch, im voneinander lernen.

Und als letzte Antwort auf die Frage, warum dieses Seminarformat: ich bin mir absolut sicher, dass wir nur das lernen können, was wirklich gerade ansteht, was dran ist, was wir lernen wollen. Und ich bin faul und würde auch gern Sinnhaftigkeit erleben. Warum soll ich also Inhalte vermitteln, von denen lediglich ich glaube, dass sie gerade dran sind? Die Teilnehmerinnen wissen das für sich doch viel besser. Ich bin viel zu faul, Sachen zu vermitteln, die vielleicht im Endeffekt niemand braucht.

Nichtsdestotrotz mache ich natürlich inhaltliche Vorschläge, gebe Anregungen, liefere Ideen. Doch ich möchte immer wieder dazu einladen, dass jede bei sich ganz genau schaut: ist das gerade dran? Passt das für mich? Oder braucht es für mich gerade etwas ganz anderes? Und dann sind wir beim Thema Führung angelangt. Sich selbst führen, für sich Verantwortung übernehmen und gleichwohl auch das größere ganze im Blick zu haben und Lösungen zu entwickeln, die für alle beteiligten Personen passen. Lasst uns also im Seminar das leben, was wir lernen wollen.

Abschluss und die Frage, wie es weiter geht

Dieser Artikel über das neue Seminar Frauen in Führungspostionen (FIF) ist ein sehr persönlicher. Mein Ziel war es, dass sie eine Vorstellung von dem Kurs bekommen, ihn einordnen können, und dass sie erfahren, was mir so wichtig daran ist und woran „mein Herz hängt“. Ich glaube, dass es das braucht für ein Kennenlernen, ein Vertrauensverhältnis aufbauen und um im Endeffekt im Seminar gut miteinander zu arbeiten. Haben Sie herzlichen Dank für Ihr Interesse und das Lesen. Ich bin nun neugierig, von Ihnen zu hören. Wie ist es für Sie, das zu lesen? Konnte ich sie neugierig machen? Was löst es aus, was ich da schreibe?


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