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Im Team-Blog schreiben oose-Mitarbeiter über:

  • Themen, die uns bewegen.
  • Fragen, die uns beschäftigen.
  • Ideen, die uns verfolgen.
  • Dinge, die uns passieren.
Neuigkeiten über oose erfahren Sie in unserem Unternehmensblog.


Mit interessanten Menschen kreativ an komplexen Herausforderungen arbeiten

Am Samstag, den 3.3.2012 findet im Gastwerk-Hotel in Hamburg-Ottensen das 6. IT-Camp statt. Dort werden wir anhand echter Herausforderungen einen ganzen Tag lang den Design Thinking Prozess komplett durchlaufen und praktisch ausprobieren. Wie für DT-Prozesse üblich wird es ein spielerischer und temporeicher Workshop werden.

Viele Teilnehmer geben bereits bei der Anmeldung mit an, welche Herausforderung sie gerne einmal bearbeiten würden. Hier einmal eine Auswahl der bereits von Teilnehmern eingebrachten Herausforderungen, die demnach wohl auf dem IT-Camp bearbeitet werden:

  • Wie schafft man es, den Konflikt Projektmanagement contra Kreative so zu lösen,  dass beide Seiten wirklich zusammen spielen?
  • Wie sieht die optimale Umgebung für kreative Gruppen- und Projektarbeit aus?
  • Hilfe zur Selbsthilfe für ein kambodschanisches Waisenhausprojekt mit Bildungsstätte (Traumatherapieprojekt in Kambodscha)
  • Menschen, denen aufgrund von Milieu- oder Migrationshintergrund “etablierte” Netzwerke verschlossen sind oder erscheinen, in (neue) soziale, kulturelle, unternehmerische Projekte als Mitwirkende und/oder Verantwortung übernehmende Mitglieder einzubeziehen.
  • Da mir Workshops viel mehr Spaß machen als Trainings würde ich gern ein Trainingsformat entwickeln, dass sich (für mich) wie ein Workshop anfühlt.
  • Ein Unternehmen gründen – erfolgreich, agil, selbstorganisiert und mit glücklichen Menschen.
  • Wie kommen wir von der Obsoleszenz- in die Gebrauchsgesellschaft?

Im Impulsvortrag stellt K.-M. Machens (ehem. Direktor des Zoo Hannover) vor, wie der tief in der Krise steckende Zoo mit Design Thinking  zu einem der erfolgreichsten und coolsten Zoos Deutschlands wurde.

Wenn Sie an einer dieser oder an einer eigenen Herausforderung einen Tag lang zusammen mit anderen interessanten Menschen kreativ arbeiten möchten, besuchen Sie das IT-Camp am Samstag, den 3.3.2012 im Gastwerk-Hotel Hamburg-Ottensen.

Mehr Infos  unter www.it-camp.de

Bitte kommen Sie, ich möchte mit Ihnen sprechen

Vor ein paar Wochen las ich beim Medienlotsen, dass er “Die Information” von James Gleick lese, fand das interessant und bestellte mir das Buch auch gleich. Das Buch war dann doch deutlich dicker als ich irgendwie erwartet hatte. Der Titel klingt ja auch zunächst auch eher trocken – ich fand das Buch dann aber sehr interessant und hatte es in wenigen Tagen durchgelesen.

Wie der Titel sagt, geht es um Information, und zwar vor allem um die Geschichte der Information, vorwiegend der Informationsverbreitung, der Nachrichtenübertragung und bspw. des Telefons.

Das Internet hat unsere Kommunikation und damit unsere sozialen, gesellschaftlichen und beruflichen Beziehungen in den letzten Jahren radikal verändert. Trotz meines Alters fühle ich mich ja noch fast als Digital Native, dennoch treffe ich immer wieder auch jüngere Menschen, die Twitter & Co. nicht verstehen.

Twitter ist die Klowand des Internets

Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood, die immerhin nochmal rund 25 Jahre älter ist als ich, bemerkt zur Twittersphäre: “Ist das eine Signalsprache wie die Telegrafie? Ist es Zen-Dichtung? Sind es Witze, die an Toilettenwände gekritzelt werden? Ist es ein in den Baum geritztes Herz mit der Botschaft “John liebt Mary”? Sagen wir einfach, es ist Kommunikation, und Kommunikation ist etwas, das Menschen gerne pflegen.” Es sind Zitate wie dieses (Seite 456), die das Buch von James Gleick unterhaltsam machen.

Klar geht es hier nicht alleine um unterschiedliche Perspektiven verschiedener Generationen. Das Buch verdeutlicht immer wieder, wie jede neue Informationstechnologie den Menschen auch Angst machte, von ihnen nicht verstanden wurde oder völlig falsch eingeschätzt wurden. Oft sogar von ihren Erfindern. Elisha Gray sagte 1875 seinem Patentanwalt über die entsprechende Erfindung von Alexander Graham Bell: “Der sprechende Telegraf [d.h. Telefon] ist zwar wissenschaftlich interessant, hat aber gegenwärtig keinerlei kommerziellen Wert, da man mit den bereits bestehenden Methoden wesentlich mehr Geschäft erzielen kann” (Seite 208). Und William Preece, leitender Ingenieur des General Post Office in England sagt gegenüber dem britischen Parlament: “Wir haben mehr als genug Boten, Laufburschen und ähnliche Dinge. […] Ich habe ein Telefon in meinem Büro, aber eher zum Herzeigen. Wenn ich eine Nachricht versenden möchte, verwende ich meinen telegrafischen Klopfer oder schicke einen Laufburschen los.” (ebenda).

Den einen ist das Telefon zu emotional, die anderen finden Telefonnummern unpersönlich.

Alexander Graham Bell sah die Übertragung von Predigten als einen Anwendungsfall seiner Erfindung an. Geschäftsleuten wiederum war das Telefon zur Zeit seiner Einführung vor allem suspekt, da anders als beim Telegrafieren nicht nur Zahlen und Fakten übertragen wurden, sondern auch Emotionen. Anfangs gab es nur Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, dann kamen die ersten manuellen Vermittlungszentralen und als dann Telefonnummern eingeführt wurden, schien das einigen Menschen sehr unpersönlich. Andere bezweifelten, das Menschen sich Nummern mit mehr als fünf Stellen merken könnten.

Die disruptiven Veränderungen des Telefons wurden bereits um 1880 diskutiert: “Das Ergebnis kann nicht weniger als eine neue Ordnung unserer Gesellschaft sein – ein Zustand, in dem jeder Mensch, egal wie abgelegene sein Aufenthaltsort ist, jeden anderen Menschen in der Gesellschaft erreichen kann” schrieb die Zeitschrift Scientific American (Seite 211). Und John J. Carty, Leiter der Bell Laboratories meinte 1908: “Das Telefon hat genauso viel zur Entstehung der Wolkenkratzer beigetragen, wie der Aufzug.” (Seite 212).

So wie heute viele Menschen die neue Kommunikationspraktiken nicht verstehen, sie als Belastung oder gar Bedrohung ihrer Privatsphäre empfinden, so erging es auch den Generationen vor uns mit ihren informationstechnischen Innovationen: “Als die Druckerpressen, die Telegrafie, die Schreibmaschine, das Telefon, das Radio, der Computer und das Internet zu ihrer jeweiligen Zeit prosperierten, sagten die Menschen jedesmal aufs Neue, eine große Last sei der menschlichen Kommunikation aufgebürdet worden: mehr Komplexiät, mehr Bindungslosigkeit und schreckenerregende neue Exzesse.” (Seite 433).

Was ich auch nicht wußte: Als Claude Shannon und Warren Weaver 1949 ihre Aufsätze zur “Mathematical Theory of Communication” veröffentlichten (worüber Gleick ausführlich schreibt), war es im Wissenschaftsbetrieb noch üblich, sich Kopien der Publikationen von Wissenschaftskollegen zu besorgen, in dem man sich jeweils direkt an den Autor wandte. Viele Wissenschaftler hatten hierfür vorgedruckte Postkarten (Seite 243).

Die Ausdehnung und Kollektivierung des menschlichen Bewußtseins

Während Gunter Dueck letztes Jahr den Begriff des “gesellschaftlichen Betriebssystems” eingeführt hat, hat Marshall McLuhan schon 1965 von der Erweiterung unseres zentrales Nervensystem gesprochen: “Heute haben wir unser zentrales Nervensystem in einer globalen Umarmung erweitert und schaffen, so weit unser Planet betroffen ist, Raum und Zeit ab. In rasantem Tempo nähern wir uns der Endphase der Verlängerungen des Menschen – die technologische Simulation des Bewußtseins, wenn der kreative Prozess des Wissens kollektiv und gemeinschaftlich auf die Gesamtheit der Humangesellschaft ausgedehnt wird.” (Marshall McLuhan, Understanding Media: The Extension of Man, McGrawhill, 1965)

Zwei wichtige (für mich systemtheoretisch relevante) Einsichten habe ich durch die Lektüre des Buches aktualisiert:

“Wenn Information billig ist, wird die Aufmerksamkeit teuer.”

“Vergessen zu können ist möglicherweise so wichtig wie die Erinnerung.”

Der erste Satz übrigens, den A.G. Bell ins Telefon gesprochen hatte lautete paradoxerweise: “Mr. Watson, bitte kommen Sie, ich möchte mit Ihnen sprechen.”

Räume sind die Körpersprache einer Organisation

Vor wenigen Wochen ist bei Wiley ein neues Buch des HPI (Hasso Plattner Institute) of Design in Stanford (aka “d.school”) mit dem Titel “Make Space” erschienen. Es handelt von Arbeitsräumen für die kreative Gruppenarbeit und ihrer Gestaltung (“How to Set the Stage for Creative Collaboration”).

Im Vorwort von David Kelley heißt es: “Space matters. We read our physical environment like we read a human face.”

Die Autoren Scott Doorley und Scott Witthoft gehen dabei auf sehr verschiedene Aspekte ein und machen dadurch sehr anschaulich klar, dass es um mehr als die Gestaltung einer physischen Umgebung geht. Die fünf betrachteten Aspekte sind:

  • Werkzeuge und Bauanleitungen für Möbel und Räume
  • Arbeitssituationen und Raumkonfigurationen
  • Einsichten und beachtenswerte Erkenntnisse und Ideen
  • Gestaltungsvorlagen für bestimmte Typen von Plätzen, Arbeitszonen, Funktionen, Aktivitäten, Atmosphären, Haltungen und Eigenschaften
  • Beschreibung realer Beispiele und Studien, bspw. die Umgebung der TED-Talks oder das Palomar5-Camp in der Berliner Malzfabrik zur Zukunft der Arbeit.

Der Inhalt ist zusammengetragen aus rund fünf Jahren Arbeit und Erfahrungen im Kontext der d.school. Insofern ist das Buch natürlich eine Fundgrube und Pflichtlektüre für alle, die Design Thinking praktizieren und Anregungen zu entsprechenden Umgebungen suchen. Viele der dargestellten Möbel, Einsichten und Details, auch wenn sie meistens aus dem Design-Thinking-Kontext stammen, sind auch in der Coworking-Bewegung und den Betahäusern dieser Welt anzutreffen oder erinnern daran. Das ist kein Zufall, denn die Beta- und Ko-Kreations-Kultur ist die große Schnittmenge beider Bewegungen.

Foto: Naomi den Besten, www.spaziale.org (Dank u wel!)

Die 272 Seiten bilden kein sequentiell zu lesendes Werk, obwohl auch das gut funktioniert, sondern es besteht aus vielen kleinen, meistens nur 1 – 2 Seiten langen Abschnitte. Eine bestimmte Ordnung konnte ich nicht erkennen, die Reihenfolge ist zum Lesen aber brauchbar. Die oben genannten fünf Aspekten spiegeln sich in einem Titel- und Farbschema wieder, naja, halbwegs zumindest. Am Ende des Buches gibt es dann, in Erinnerung an die Beatles, die B-Seite als rückwärts zu erschließende Nutzungsanleitung, die den Transfer ins eigene Tun erleichtert.

Ich finde das Buch ausgesprochen gut gelungen und freue mich beim Lesen und Stöbern immer wieder über die Verknüpfung unterschiedlichster Sichtweisen und die Konkretheit. So findet sich nebeneinander eine Bauanleitung mit exakten Maßangaben (allerdings in den US-amerikanischen Einheiten wie Zoll), Materialempfehlungen (“Sperrholz, Höhe 5 Zoll”), Nutzungsaspekte (“max. 25 Minuten zum Sitzen geeignet”), atmosphärische und rituelle Ideen (“Schuhe ausziehen” oder Tipps zur Balance zwischen Aufgeräumtheit und inspirierender Unordnung) und ebenso bekannte soziale und kommunikative Konventionen. Ein Beispiel für Letzteres ist bspw. die Verwendung von Kopfhörern um Kommunikationsbereitschaft einfach signalisierbar zu machen (beide Ohren zu: lass mich in Ruhe arbeiten; ein Ohr zu: wenn es wichtig ist, unterbreche ich mich; ohne Kopfhörer: ich bin bereit zum Klönen)

Diese Vielschichtigkeit verhindert auch, das Buch als IKEA-artiges Gestaltungsrezept aufzufassen, denn Räume für die kreative Zusammenarbeit lassen sich am besten durch praktische kreative Zusammenarbeit gestalten. Und zum anderen gilt die Einsicht: Die Anschauungen und Überzeugungen zur Raumgestaltung auszutauschen ist ein erster Schritt, um alle zu beteiligen. Gemeinsam aber in die Aktion zu gehen und den Raum tatsächlich zu gestalten bringt viel mehr Engagement und Kameradschaft. Und: Sobald Räume genutzt werden, ergeben sich emergent neue Anwendungsfälle.

Das schönste Zitat aus dem Buch: “Space ist the body language of an organization.” (Chris Flink)

Ach, und bei Vimeo gibt es noch ein kurzes Video über die Entstehung des Coverbildes.

Bernd Oestereich

Open oose: Wut und Ärger konstruktiv nutzen

(c) Christel Sohnemann

Gefühle am Arbeitsplatz sind ein heikles Thema. Viele Menschen behaupten, Gefühle am Arbeitsplatz zu haben sei unprofessionell. Das ist natürlich totaler Quatsch. Wer keine Gefühle am Arbeitsplatz hat, ist entweder schwer krank (Depressive fühlen tatsächlich nahezu nichts) oder tot. Gefühle sind ein wichtiges Signal unseres Körpers, welche uns anzeigen, ob wir gerade etwas Wichtiges brauchen oder nicht. Sie sind immer körperlich wahrnehmbar und vergleichbar mit einer Signalleuchte im Auto: Leuchte aus (angenehme Gefühle): alles OK. Leuchte blinkt oder leuchtet konstant (unangenehme Gefühle): hey, Mensch, pass mal auf, wichtige Bedürfnisse nicht erfüllt, sorg mal ein bisschen besser für dich. Und je ärgerlicher wir werden, desto heftiger blinkt die Leuchte.

Gern verdrängt

Gleichwohl werden Gefühle gern verdrängt und es gibt oft wenige „erlaubte“ und viel mehr „unerlaubte“ Gefühle am Arbeitsplatz. Das erlaubteste ist natürlich Freude, klarer Fall. Ein weiteres, ebenso oft gelebtes ist „Wut und Ärger“. Das ist zwar schon nicht mehr ganz so erlaubt wie Freude, doch immer noch zulässig. Letzteres deshalb, weil viele Menschen Wut und Ärger gern nutzen, um andere Leute für ihren Ärger verantwortlich zu machen („ich hab mich wegen dem und dem geärgert“, „es liegt nur an X, dass ich so wütend bin“). Das wird dann gern gepaart mit der Schuldfrage.

Jemanden oder etwas anderes als uns selbst für unseren eigenen Ärger verantwortlich zu machen, bedeutet jedoch, sich in ein Abhängigkeitsverhältnis zu begeben und die Verantwortung für das eigene Wohlergehen nicht zu übernehmen. In dem Moment, wo ich behaupte, jemand anderes sei verantwortlich für meinen Ärger, behaupte ich letzten Endes, die andere Person müsse sich ändern, damit es mir besser gehe. Damit raube ich mir jeden Handlungsspielraum. Denn es gibt nur eine einzige Person, die jede tatsächlich ändern kann: sich selbst.

Wut ist gut.

Wir können Wut und Ärger jedoch auch anders betrachten und dann eröffnen sich für uns wunderbare und neue Handlungsmöglichkeiten. Ärger und mehr noch Wut sind in erster Linie ein Zeichen, dass wichtige Bedürfnisse der Person, die sich da ärgert, nicht erfüllt sind, und das schon eine ziemlich lange Zeit. Es wird also Zeit zu handeln, es wird Zeit, endlich gut für sich zu sorgen.

Wir können Wut und Ärger auch als ein Signal betrachten, dass wir unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, was wir gerade brauchen, welche unserer Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Dann eröffnen sich neue Wege und neue Spielräume. Wir brauchen unseren Ärger nicht hinauszurufen, wir brauchen ihn nicht hinunter zu schlucken und wir brauchen unseren Ärger auch nicht wegdrücken. Wir können ihn dankbar annehmen und uns anschauen, was da gerade nicht in Ordnung ist für uns. Wir können uns zurücklehnen, unsere eigene Wut-Show genießen und sie als das betrachten was sie ist: eine Aufforderung etwas zu verändern. Was ist uns gerade so wichtig, dass wir uns so ärgern? Brauchen wir mehr Autonomie? Unterstützung? Teamarbeit? Sinnhaftigkeit in unserer Tätigkeit? Freiräume? Schutz? In dem Moment, wo wir wirklich erkennen, welche unerfüllten Bedürfnisse hinter unserem Ärger stecken, können wir dies Wissen nutzen und können dafür sorgen, Wege zu finden damit  wir es auch bekommen. Interessanter Weise ist dann auch der Ärger weg, aber das nur am Rande, ich will ja nicht zu viel verraten…

Ärger dich bis zur Zufriedenheit.

Ich nenne diese eben skizzierte Entdeckungsreise zu unerfüllten Bedürfnissen und das dann gezielte Suchen nach Strategien um sie zu erfüllen einen konstruktiven Umgang mit Wut und Ärger. Um diesen Prozess wird es beim open-oose Tag am 21.03.2012 in der Veranstaltung „Wut und Ärger im Projekt konstruktiv nutzen“ gehen. Wir werden diesen Tag nutzen, um unserem eigenen Ärger-Verhalten auf die Spur zu kommen. Wir werden schauen, wie ein konstruktiver Umgang mit unserer Wut aussehen kann und wie wir mit dem Ärger anderer Leute umgehen können. Bei all der Ernsthaftigkeit des Themas werden wir den Erlebnistag als Entdeckungsreise zu Neuem und Unbekanntem mit viel Humor und Spaß gestalten.

Zu open-oose können Sie sich hier anmelden: http://www.open-oose.de/

Komplementären Denk- und Arbeitsstil erkunden

Design Thinking (DT) ist eine von IDEO und dem Hasso Plattner Institute of Design entwickelte und verbreitete Methode, die Teams und Organisationen unterstützt, spielverändernde Lösungen und bahnbrechende Produkte, Dienstleistungen oder Organisationsformen zu gestalten.

DT eine gute Ergänzung zu agilen SW-Entwicklungsverfahren, da DT auf ähnlichen Techniken und Werten beruht, vor allem aber auf den Zeitpunkt vor dem eigentlichen Projektstart abzielt: Entwickeln wir überhaupt das richtige Produkt? Was ist die eigentlich zu lösende Herausforderung?

Am Samstag den 3. März findet im Gastwerk Hamburg-Ottensen das 6. IT-Camp zum Thema “Design Thinking” statt, in dem Sie Arbeitstechniken und -prozess des Design Thinkings ganz praktisch erleben können:

  • Hinterfragen Sie scheinbar klare Fakten und Projektaufträge, fühlen Sie sich in Menschen hinein und gewinnen Sie völlig neue Einsichten über die eigentlichen Herausforderungen.
  • Gestalten Sie damit spielverändernde Lösungen und bahnbrechende Produkte, Dienstleistungen oder Organisationsformen.
  • Erfüllen Sie Bedürfnisse von Menschen und Organisationen, die diese selbst noch gar nicht ausdrücken konnten.

Mit einem Tag Dauer ist das IT-Camp zu kurz, um Design Thinking in das persönliche Fähigkeitsrepertoire zu integrieren – aber lang genug, um von der Idee infiziert zu werden.

Das it-camp wird spielerisch, temporeich und voller praktischer Übungen sein.  Das Ziel ist, Ihnen als eher wirtschaftlich (Manager) oder technisch (Entwickler) denkenden Menschen, einen Tag lang Möglichkeiten zu bieten, einen anderen, komplementären Denk- und Arbeitsstil zu erkunden. Melden Sie sich an!

Organisationen gestalten, in denen alle gerne arbeiten

Die Organisation als System so zu gestalten, dass die Menschen dort (wieder) gerne arbeiten, ist häufig ein – oft geheimes – Ziel in den Veränderungsprojekten, in denen ich als Coach arbeite.

Daher freue ich mich sehr über das Stoos Netzwerk – eine Gruppe von Menschen, die sich vor kurzem in Stoos in der Schweiz getroffen haben und dabei ihr Verständnis von Organisation und Führung formulierten:

  • “… Organisationen zu verstehen als lernende Netzwerke von Individuen, die Werte schaffen“  und
  • “… Führung als ein Sich-Kümmern um das Lebendige statt dem Management der Organisationsmaschinerie …”.

Um diesen Wandel nun zu beschleunigen, findet am 09.02 um 16:00 Uhr in Hamburg eine Veranstaltung statt für Menschen, die diese Vision voranbringen wollen. Zusammen mit Deborah Preuß, Ilja Preuß, Bernd Schiffer, Peggy Pazour co-moderiere ich diesen Abend.

Wir werden das Fearless Journey Spiel anwenden, um unsere Handlungsmöglichkeiten auszuloten und erste Schritte durch ein Pro Action Cafe erarbeiten. Und es gibt Pizza.

Vielfalt ist uns wichtig, daher suchen wir insbesondere auch Menschen, die nicht aus der agilen Community kommen. Sie brauchen nicht einmal etwas mit IT zu tun haben :-)

Hier geht es zur detaillierten Einladung.

Gamestorming: A Playbook for Innovators, Rulebreakers and Changemakers

Seit ich das Buch vor längerer Zeit das erste Mal in den Händen hielt, schwankte ich immer mal wieder, ob ich  ein paar Anmerkungen zum Buch schreiben sollte oder nicht. Das hat jetzt ein Ende.

Das Buch ist eine Sammlung von rund 80 so genannten Spielen für die kreative Gruppenarbeit. Die meisten Spiele werden ganz kurz und knapp auf 1 – 2 Seiten schematisch erklärt: Ziel, Teilnehmerzahl, Dauer und Spielablauf. Viele der vorgestellten Spiele werden Sie wahrscheinlich schon kennen.

Einige der Inhalte sind so einfach, dass sie sich gut auf 1 – 2 Buchseiten zusammenfassen lassen, beispielsweise “The 5 Whys” (fünf mal “Warum?” fragen), “Dot Voting” (Zu einer Menge von Alternativen die Teilnahme mit Hilfe von zu klebenden oder zeichnenden Punkten abstimmen lassen) oder “Pecha Kucha” (einen Vortrag halten mit 20 automatisch ablaufenden Folien zu je 20 Sekunden fester Dauer).

Bei anderen Inhalten wie bspw. dem Business Model Canvas erscheint mir die Reduktion des Themas auf drei Seiten auch fragwürdig. Vor allem, wenn es eigenständige Bücher zum Thema gibt, deren Umfang ich durchaus auch als berechtigt und sinnvoll erachte (siehe ein früherer Blogbeitrag). Hier sehe ich die Gefahr, dass durch die stark vereinfachte Zusammenfassung die darauf aufbauende praktischen Anwendung an Wert und Qualität verlieren kann, d.h. dass die erreichten Ergebnisse und Effekte hinter den Möglichkeiten und Erwartungen an diese Technik zurückbleiben. Bei einigen der beschriebenen Spiele macht es meines Erachtens einen großen Unterschied, ob jemand das Spiel mit Hilfe des Buches kennenlernt und das erste Mal anwendet oder ob jemand mit dem Spiel vertraut ist und das Buch eher als Erinnerungsstütze gebraucht.

Die Grundstruktur und Kernidee eines Spieles ist meistens schnell vermittelt, das gilt auch für Open Space, World-Cafe, RACI-Matrix u.Ä. Der Kontext erfordert jedoch oft bestimmte Details und Variationen. Ein Spiel im Kontext eines Veränderungsprozesses kann für die Beteiligten eine emotional ganz außerordentliche Qualität entfalten oder auch nach hinten losgehen. Manchmal bedarf es etwas Fingerspitzengefühl oder Übung bzw. es kommt sehr darauf an, wie das Spiel angeleitet wird.

Insofern erbringt so eine kochrezeptartige Spielesammlung vor allem zwei Leistungen: eine Erinnerungshilfe für bereits praktizierte Spiele und einen Einstieg in neue und anderweitig noch zu vertiefende Spiele.

Während ich nach dem ersten Durchblättern des Buches noch dachte, “ach, kenne ich ja irgendwie alles, diese Vereinfachungen bringen mir ja nichts”, habe ich im Laufe der Zeit das Buch dann doch öfter mal zur Hand genommen, um mir Anregungen für Workshops und Arbeitstreffen daraus zu holen. Ich blättere das Buch dann einfach durch oder überfliege das Inhaltsverzeichnis und manchmal reicht dies bereits aus. Oft schlage ich dann noch das eine oder andere Spiel nach, um Rahmenbedingungen oder Ziele mit meiner Aufgabenstellung abzugleichen und zu entscheiden, welche Spiele mir in welcher Weise helfen könnten. Und manchmal macht mich ein bislang unbekanntes Spiel neugierig und veranlasst mich weitere Quellen (Internet, Bücher) zu studieren.

Ein wenig erinnert mich das Buch “Gamestorming” in seiner Machart an den Anhang unseres 2008 erschienen APM-Buches (“Agiles Projektmanagement”), in dem rund 100 elementare Arbeitstechniken im Kontext agilen Projektmanagements in ähnlicher Weise kompromiert dargestellt hatten. Teilweise hatten wir seinerzeit dort sogar die gleichen Inhalte wie jetzt im Gamestorming-Buch, beispielsweise den “Produktkarton” (“Design the Box”) oder die genannte “5-mal-Warum-Fragetechnik”.

Sowohl für das Gamestorming- wie für das APM-Buch gilt dabei, dass die Autoren nicht die Erfinder der Spiele bzw. Arbeitstechniken sind, sondern lediglich mehr oder weniger Bekanntes zusammengetragen haben.

Das Buch gibt es für iPhone und Android auch als App.

Buchempfehlungen zu Design Thinking

Weil mich mehrfach die Frage “welche Bücher empfiehlst du zum Einstieg in Design Thinking?” erreichte, hier nun eine erste Antwort dazu. Ich werde sicherlich später  noch weitere Bücher aus dem Buchstapel vorstellen, beginne hier aber mal mit den ersten fünf.

Das Naheliegende

Design Thinking
Innovation lernen – Ideenwelten öffnen

von Hasso Plattner, Christoph Meinel und Ulrich Weinberg (MI-Wirtschaftsbuch)

Dieses Buch ist eine naheliegende Empfehlung, denn es stammt von den im deutschen Sprachraum wahrscheinlich bekanntesten DT-Vertretern. Hasso Plattner ist Gründer des Hasso Plattner Institutes (HPI) in Potsdam, Christoph Meinel ist dort Direktor und Ulrich Weinberg leitet die D-School am HPI. Das Buch enthält eine kurze Einführung in DT, stellt die Arbeit des HPI dar und beschreibt HPI-Projektbeispiele. Das Buch ist lesenswert, die Arbeit des HPI steht aber mehr im Vordergrund als Design Thinking an sich.

Die Pflichtlektüre

Change by Design
How Design Thinking transforms organizations and inspires innovation

von Tim Brown (Harper Collins Publisher)

Tim Brown ist Präsident von IDEO, einer internationalen Design- und Innovationsberatung, die von David Kelley, dem Begründer des Design Thinkings, gegründet wurde. Als Einführung in Design Thinking mittels Buch, finde ich “Change by Design” ganz hervorragend. Er beschreibt, warum DT relevant ist, was DT ist, wie es funktioniert, erzählt Anwenungsbeispiele und Erfolgsgeschichten, so dass man ein sehr umfassendes Verständnis von DT erlangt.

Die Vertiefung

The Design of Business
Why Design Thinking is the next competitive Advantage
von Roger Martin (Harvard Business Press)

Wer nach der Lektüre von “Change by Design” nicht genug hat, kann mit “The Design of Business” von Roger Martin gut daran anschließen. Es zeigt weitere und andere Aspekte auf und bringt weitere gute Beispiele und Geschichten.

Der Beststeller

Business Model Generation
Ein Handbuch für Visonäre, Spielveränderer und Herausforderer
von Alexander Osterwalder und Yves Pigneur (Campus Verlag)

Hierzu hatte ich bereits einen eigenen Blogbeitrag gebracht. Es ist keine direkte Einführung in Design Thinking, sondern eine Anleitung zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle und basiert und bedient sich dabei der im Design Thinking üblichen Techniken, Vorgehensweises und Werte. Das Buch ist gestaltet: Es enthält kurze, kompakte, auf die Essenz reduzierte Texte und viele treffende Visualisierungen (Fotos, Diagramme, Zeichnungen).

Das Unscheinbare

Einführung in das systemische Innovationsmanagement
von Jens O. Meissner (Carl Auer Verlag)

Der Begriff “Design Thinking” kommt wahrscheinlich im ganzen Buch nicht einmal vor und es ist auch keine Einführung in Design Thinking. Dennoch finde ich das Buch super, weil es eine noch weitere, allgemeinere Perspektive eröffnet und einen guten Überblick über Innovationsmanagement (als Oberbegriff von DT) gibt und zudem die systemische Fundierung aufzeigt und im Blick behält. Wer Design Thinking auch als Mittel zur Organisationsentwicklung versteht, wie es in den Büchern von Tim Brown und Roger Martin deutlich wird, der sollte sich meines Erachtens den systemtheoretischen Bezug und aktuelle Erklärungsmodelle für die Komplexität, (Un-) Führbarkeit und Veränderung von Organisationen nicht entgehen lassen.

Bernd Oestereich

Kreatives Agiles Projektmanagement

In meinem letzten APM-Training für dieses Jahr hatte ich erneut eine richtig klasse Gruppe sitzen. Mit locker 100 Jahren Projektmanagementerfahrung im Raum, vom PMI Project Management Professional zum Scrum Product Owner, hatten wir eine Woche um zu zeigen, wie agile Projektstrategien und Techniken den klassichen Werkzeugen zu ganz neuem Schwung verhelfen.

Seit einiger Zeit ist mein Schlusstag ganz dem Erleben agilen Projektmanagements gewidmet. Die Teilnehmer realisieren nach einem kurzem Briefing in 4 Iterationen ein kleines Projekt. Der Auftrag dieser Woche: “Illustriert eine agile Idee oder eine agile Technik durch eine kleine Animation oder ein interaktives Poster!”
Daraus produzieren die Teilnehmenden dann Ergebnisse und Erfahrungen wie diese:

“Nach der Planung habe ich noch gedacht wir zerlegen uns als Team und schaffen das nicht. Dann nach der Retrospektive der ersten Iteration, wow, das lief das richtig gut!”

“Durch das Review in jeder Iteration konnte ich dann loslassen, mich auf meine Aufgabe konzentrieren und darauf vertrauen, dass die anderen ihren Job erledigen werden. Es ist viel leichter wenn man immer wieder ein gemeinsames Ziel vor Augen hat”

“Die Versuchung ist groß eben noch neue Anforderungen umsetzen zu wollen. Durch den Druck zum Ende der Iteration einen sauberen Stand zu haben und dann bewußt zu entscheiden, was in der nächsten Iteration noch möglich ist, war es viel leichter der Versuchung zu widerstehen.”

“Am meisten beeindruckt hat mich, wie durch das Feedback am Ende der Iteration und durch die konkreten Zwischenergebnisse, es überhaupt erst klar wurde, wie das Ergebnis am Ende aussehen könnte und was realistisch innerhalb der Zeit zu leisten war.”

Kleine Änderungen, die Innovation bringen

Gerade habe ich auf Spiegel-Online den Beitrag Zieh! Die Erfindung des Rollkoffers gelesen (Danke Frauke für den Hinweis). In dem Beitrag geht es darum, wann und von wem denn nun eigentlich der Rollenkoffer erfunden wurde. Was ich dabei am interessantesten finde ist aber weniger die Frage nach der Erfindung, sondern die nach der Innovation. Diese Begriffe unterscheiden wir in unserer Alltagssprache nicht sonderlich, aber der Rollenkoffer ist ein schöner Anwendungsfall, sich dieser Unterscheidung zu nähern.

Innovation bezeichnet eine Erfindung die sich durchgesetzt hat und Verhalten, Arbeitsweisen, Produktionsprozesse u. Ä.  nicht nur einzelner, sondern vieler Anwender verändert, also eine gesellschaftliche und ökonomische neue Bedeutung bekommt. Oft sind es dann auch eher kleine Veränderungen die große Wirkung entfalten.

So wie es aussieht, wurde der Rollenkoffer schon recht früh erfunden und nutzbare Exemplare davon hergestellt, die aber keine nennenswerte Verbreitung und Bedeutung erlangten. In den 1970er Jahren kam etwas Bewegung in das Thema: 1972 wurde ein Koffer mit vier Rädern und einem Zugband patentiert und der Hersteller Delsey brachte im gleichen Jahr einen rollenden Koffer mit dem Namen “Trolley” auf den Markt.

Foto von http://www.flickr.com/photos/mabi/

Der eigentliche Durchbruch kam dann erst 1987 weil verschiedene Faktoren zusammenkamen. Zum einen erfand der amerikanische Pilot Robert Plath eine kleine Variation, in dem er nur zwei Räder und statt eines Zugbandes einen Teleskopgriff verwendete. Und zum anderen reisten die Menschen plötzlich immer mehr und immer weiter, d.h. der Bedarf und die Bereitschaft für Neues änderte sich.

Dies ist ein ganz typisches Phänomen wie andere Beispiele zeigen: Elektronische Lesegeräte (E-Reader) gibt es schon länger, berührungsempfindliche Anzeigen ebenfalls – zum Durchbruch brauchte es dann zum einen aber licht- und kontraststarker tageslichttauglicher Anzeige und zum anderen einer größeren Internetbandbreite zur Verteilung der Inhalte.

Auch Carsharing oder öffentliche Stadtfahrräder konnten sich erst kürzlich weiter durchsetzen und gehören seitdem zum üblichen Stadtbild. Bei der neuen Elektromobil-Diskussion hingegen muss sich meiner Einschätzung nach erst noch zeigen, ob die entscheidenden Details verändert oder hinzugekommen sind, die einen Durchbruch bewirken oder ob das Elektroauto weiterhin eine Erfindung bleibt, die im Alltag uns Menschen, Unternehmen und Wirtschaft praktisch nichts verändert.