Ein beliebtes Vorurteil lautet, dass es beim Software Testen primär, um das Finden von Fehlern geht. Das ist allerdings so nicht wirklich haltbar, unabhängig davon welcher Testschule man sich zugehörig fühlt. Im BBST® Syllabus heißt es sinngemäß, dass Testen die Suche nach Informationen ist und dazu dient Stakeholdern diese Informationen über die Qualität des Produktes bzw. das Testobjekt bereitzustellen. Und auch der ISTQB nennt eben diesen Punkt als ein mögliches Testziel. Auch in einschlägiger Literatur geht es in eine ähnliche Richtung. Elizabeth Hendrickson postuliert in Explore It das bereitstellen von Informationen als ein mögliches Ziel. Maaret Pyhäjärvi schlägt in Contemporary Exploratory Testing in eine ähnliche Kerbe und stellt Lernen in den Mittelpunkt.
Testen stellt in diesem Verständnis als eine Möglichkeit dar, um Informationen zu sammeln und diese Informationen anderen Personen und stellen zugänglich zu machen. Im Allgemeinen verfolgt man damit zwei Zwecke:
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Verbesserung von Entscheidungsgrundlagen Entscheidungen werden in der Produktentwicklung an vielen Stellen getroffen. Machen wir weiter? Können wir zum jetzigen Zeitpunkt das Release freigeben? Und mit Testen haben wir bewährte Methoden an der Hand, um für genau diese Entscheidungen Informationen zu liefern. KI beschleunigt diese Informationsbereitstellung bereits heute an vielen Stellen und gleichzeitig stehen diese Entscheidungen teilweise auf deutlich wackligeren Beinen, da die Informationen nicht immer so valide sind, wie die Entscheidungen sie brauchen. Testen nimmt hier also eine wichtige Informationskontrollfunktion ein.
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Auflösung von Wissensinseln Die Entstehung und Auflösung von Wissensinseln geht einher mit dem SECI-Modell von Nonaka und Takeuchi. In diesem Modell wird beschrieben, wie Wissen durch die vier Modi Sozialisation, Externalisierung, Kombination und Internalisierung geschaffen und weitergegeben wird. Testen trägt maßgeblich dazu bei, den Wissensfluss zwischen diesen Modi zu fördern. So werden beispielsweise implizite Erfahrungen und Entdeckungen aus dem Testprozess (Sozialisation) durch Testdokumentation, Fehlermeldungen oder gemeinsame Reviews explizit gemacht (Externalisierung). Diese expliziten Informationen können dann systematisch zusammengeführt und analysiert werden (Kombination), was neue Einsichten und Lösungsansätze ermöglicht. Schließlich können diese Erkenntnisse von anderen Teammitgliedern wieder in ihre tägliche Arbeit übernommen und praktisch angewendet werden (Internalisierung) – so etwa auch bei den oben erwähnten Entscheidungen.
Weiterführende Informationen:
Pyhäjärvi: Contemporary Exploratory Testing. 2024.
Hendrickson: Explore It. 2013.
Nonaka/Takeuchi: The Knowledge Creating Company. 1995.