Die Frage hast du dir bestimmt auch schon öfters gestellt. Wir übrigens auch. So richtig befriedigende Antworten gibt es leider meist selten. Klar, ich habe Testentwurfsverfahren, die mir suggerieren, dass ich alles Wichtige getestet habe, allerdings testet man gerne mal am Thema vorbei. Klar, ich kann die Stakeholder fragen. Da kommen dann gerne Antworten wie "Testet halt alles." Auch wenig hilfreich. Klar, wenn ich Entwickler frage, reichen ausschließlich Unit-Tests. Deckt sich meist nicht mit dem Qualitätsempfinden. Und wenn wir ehrlich sind, werden hier auch zwei Fragen miteinander vermengt: Testen wir eigentlich das Richtige und testen wir es richtig? Die eigentliche Frage muss also lauten, testen wir das Richtige richtig?
Methoden und Techniken helfen uns hier, gar keine Frage. Dennoch passiert es beim Testen immer mal, dass wir blinde Flecken in unserer Strategie und unserem Vorgehen haben. Klassischerweise adressieren Reifegradmodelle dieses Thema, decken allerdings eher Themen und Aspekte der Standardisierungsschule des Testens ab. TMMI oder TPI seien hier als die Platzhirsche erwähnt. Im Agilen setzen wir eher auf Ansätze wie kontinuierliche Verbesserung durch Retrospektiven. Wir gucken, was gut funktioniert und was eher nicht. Betriebsblindheit ist hier jedoch ein nicht zu unterschätzender Aspekt.
Callum Akehurst-Ryan hat auf den Agile Testing Days einen Talk zu einem Konzept namens Quality Radar gehalten, das von Nicola Sedgwick stammt und ähnlich zu Reifegradmodellen mögliche Testbetätigungsfelder identifiziert, die man auf einmal auf Abdeckung hin hinterfragen kann. Wenn ihr uns fragt, hört sich das spannend an und lohnt einen Blick darauf zu werfen, denn dieses Konzept berücksichtigt ein paar Aspekte, die sonst gerne übersehen werden. Hier werden nicht nur interne Qualitätsaspekte wie bspw. Unittesting und externe Qualitätsaspekte wie bspw. anforderungsbasiertes Testen berücksichtigt, sondern auch Themen der Markenqualität wie etwa Nutzerbefragungen oder Google Trends. Dies wird ergänzt um 4 Betrachtungswinkel. Wer sich jetzt etwas an das Testquadrantenmodell von Brian Marick erinnert fühlt, täuscht sich nicht, da dieses explizit als Inspiration genannt wird, dieses aber durchaus verfeinert und neu interpretiert. Das Quality Radar erlaubt es, blinde Flecken entlang ganz unterschiedlicher Qualitätsperspektiven zu erkennen – technischer, funktionaler, nutzerzentrierter oder geschäftsstrategischer Art. Während klassische Reifegradmodelle einen klaren Prozesspfad empfehlen, lädt das Quality Radar eher dazu ein, sich interdisziplinär mit Qualität auseinanderzusetzen. Und wie immer gilt, dass interdisziplinäre Zusammensetzungen dem Thema Qualität zuträglich sind, da wir so verschiedene Kontexte und Perspektiven kombinieren können.
Neugierig, ob ihr das Richtige testen? Vielleicht hilft euch der Artikel ja als Inspiration: https://medium.com/cazoo/quality-radar-a-new-way-to-visualise-quality-f1131668cf95
Und für noch mehr Inspiration guckt gerne in unseren Baukasten: https://www.oose.de/seminarbaukasten-testen